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Fluktuation in der Kita und in der frühkindlichen Bildung: Ursachen, Kosten und wirksame Gegenmaßnahmen

24. Juni 2026·11 Min. Lesezeit·von Patrick Steeger
Fluktuation in der Kita und in der frühkindlichen Bildung: Ursachen, Kosten und wirksame Gegenmaßnahmen
Patrick Steeger
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Patrick Steeger

Geschäftsführer der Brandbenefits GmbH und seit über zehn Jahren auf betriebliche Krankenversicherung spezialisiert. Begleitet Arbeitgeber bei Auswahl und Einführung von bKV-Budgettarifen.

Wenn in deiner Kita eine erfahrene Fachkraft geht, verlierst du mehr als eine Personalnummer. Du verlierst Beziehungsarbeit zu Kindern und Eltern, eingespielte Abläufe und ein Stück Ruhe im Team, das in der Betreuung sofort spürbar wird.

Gesundheit spielt bei der Bindung von Fachkräften eine größere Rolle, als viele denken.

Wie hoch ist die Fluktuation in der frühkindlichen Bildung wirklich?

Die Zahlen aus der Kita-Landschaft sind unbequem. Fast ein Drittel der Erzieherinnen und Erzieher wechselt innerhalb der ersten fünf Berufsjahre mindestens einmal die Stelle, und knapp ein Viertel verlässt das Arbeitsfeld frühkindliche Bildung in diesem Zeitraum ganz (Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte). Bei den Berufseinsteigern spitzt sich die Lage weiter zu. Rund ein Drittel ist nach dem ersten Jahr schon wieder weg.

Dazu kommt die stille Wechselbereitschaft der Belegschaft. In einer Befragung der Gewerkschaft ver.di gab rund jede zweite Fachkraft an, über einen Stellenwechsel nachzudenken, jede vierte spielt sogar mit dem Ausstieg aus dem Beruf (ver.di). Ein Teil dieser Gedanken wird irgendwann zur Kündigung. Für dich heißt das vor allem eines. Die reine Abgangsstatistik unterschätzt das Risiko, das schon in den Köpfen deines Teams steckt.

Vier Kennzahlen zeigen im Vergleich, wie die frühkindliche Bildung im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft dasteht:

BereichWechsel- oder Fluktuationsquote pro Jahr
Gesamtwirtschaft Deutschland (Durchschnitt)31,4 Prozent
Frühkindliche Bildung, Berufseinsteiger nach 1 Jahrrund 33 Prozent weg
Erzieherinnen und Erzieher, Feldausstieg in 5 Jahrenrund 25 Prozent
Neue Beschäftigte, Kündigung in der Probezeit17,8 Prozent (softgarden)

Die Gesamtwirtschaft liegt im Schnitt bei 31,4 Prozent Fluktuation pro Jahr, ein Wert, der alle Wechsel einschließt, auch Rente und befristete Verträge. In der frühkindlichen Bildung fällt vor allem der frühe Ausstieg ins Gewicht, weil jede junge Fachkraft, die geht, dem Arbeitsmarkt über Jahre fehlt.

Was kostet dich ein Mitarbeiterabgang in der Kita?

Der Verlust einer Fachkraft steht selten in der Bilanz, kostet aber trotzdem. Fachleute rechnen mit 90 bis 200 Prozent eines Jahresgehalts, um eine Stelle zu ersetzen. Darin stecken Stellenanzeigen, Auswahlgespräche, die Einarbeitung durch das bestehende Team und die Wochen, in denen die Gruppe unterbesetzt läuft. Eine Auswertung von 112 größeren Unternehmen kam auf durchschnittlich rund 43.000 Euro pro Fluktuationsfall (Kompetenz Center Mitarbeiterbefragung).

In der Kita treibt vor allem die Vakanzzeit den Preis. Weil Erzieherinnen und Erzieher zu den gesuchtesten Fachkräften gehören, bleibt eine Stelle oft monatelang offen. In dieser Zeit springen Kolleginnen ein, Randzeiten werden knapp, im schlimmsten Fall müssen Gruppen zeitweise schließen. Diese Belastung erhöht wiederum das Risiko der nächsten Kündigung. So entsteht eine Spirale, die sich selbst nährt.

KostenblockWas dahintersteckt
AustrittskostenResturlaub, Übergabe, Wissen, das mitgeht
Such- und AuswahlkostenAnzeigen, Bewerbungsgespräche, Personalvermittlung
Vakanz und ÜberlastungÜberstunden im Team, Leiharbeit, geschlossene Randzeiten
Eintritts- und EinarbeitungskostenOnboarding, verringerte Leistung in den ersten Monaten

Rechne es an einer Fachkraft mit einem Jahresbruttogehalt von 42.000 Euro durch. Schon bei einem vorsichtigen Ansatz von 100 Prozent liegst du bei rund 42.000 Euro für diesen einen Abgang. Verlierst du in einer mittelgroßen Einrichtung drei Fachkräfte im Jahr, reden wir über einen sechsstelligen Betrag, der nirgends als eigene Position auftaucht und trotzdem jeden Monat wirkt.

Patrick Steeger

Viele Träger sehen nur das Gehalt, das sie sparen, wenn jemand geht. Den viel größeren Posten, die Monate ohne Besetzung und die überlasteten Kolleginnen, hat kaum einer auf dem Zettel. Genau dort entscheidet sich, ob die Kasse am Jahresende stimmt.

Patrick Steeger, bKV-Experte

Warum kündigen Erzieherinnen und Erzieher so häufig?

Fluktuation hat in der frühkindlichen Bildung selten mit einem einzelnen Ärgernis zu tun. Meist summieren sich mehrere Belastungen, bis der Wechsel als einziger Ausweg erscheint. Wer dauerhaft zwischen dem eigenen pädagogischen Anspruch und der Realität im unterbesetzten Gruppenraum steht, sucht irgendwann eine Tür nach draußen, über Teilzeit, über den Trägerwechsel oder über die Kündigung.

Die folgenden Gründe tauchen in Befragungen und Studien immer wieder auf. Öffne die Punkte, um zu sehen, was dahintersteckt und wo du ansetzen kannst.

Personalmangel und Dauerdruck
Fehlen Kolleginnen, fallen Pausen und Vorbereitungszeit weg, der Personalschlüssel gerät ins Rutschen. Der Druck steigt, die Qualität der eigenen Arbeit sinkt gefühlt, und genau das treibt viele aus dem Beruf.
Psychische Belastung
Lärm, hohe Verantwortung für viele Kinder und ständige Erreichbarkeit für Eltern zehren. Psychische Erkrankungen sind bei Kita-Personal fast doppelt so häufig geworden wie vor gut einem Jahrzehnt und ein wichtiger Grund für den Ausstieg.
Bezahlung und Anerkennung
Die Vergütung passt für viele nicht zur Verantwortung. Fehlt zusätzlich die Wertschätzung durch Träger und Öffentlichkeit, kippt die Bindung, gerade bei jüngeren Fachkräften mit Alternativen.
Fehlender Start ins Team
Wer in den ersten Wochen ins kalte Wasser geworfen wird, hält selten lange durch. 17,8 Prozent der neuen Beschäftigten kündigen schon in der Probezeit, ein klares Signal für schwaches Onboarding.
Wenig Entwicklung
Ohne Aussicht auf Fortbildung, Spezialisierung oder Leitungsaufgaben wird der Beruf zur Sackgasse. Fachkräfte, die sich entwickeln wollen, gehen dorthin, wo das möglich ist.

Die Punkte hängen eng zusammen. Personalmangel erzeugt Belastung, Belastung erzeugt Fehltage, Fehltage verschärfen den Personalmangel. Wer die Fluktuation senken will, muss diese Kette an mehreren Stellen zugleich unterbrechen. Wie das mit Bindungsmaßnahmen gelingt, zeigt der Beitrag Was bringt eine zusätzliche betriebliche Krankenversicherung?

Welche Rolle spielt die Gesundheit beim Kita-Personal?

Kaum eine Berufsgruppe ist so oft krank wie das Kita-Personal. Im Schnitt fallen täglich 8,6 von 100 Beschäftigten in Kindergärten und Vorschulen krankheitsbedingt aus, vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 5,8 Prozent (AOK). Damit sind Erzieherinnen und Erzieher deutlich häufiger krankgemeldet als der Durchschnitt aller Berufe.

In Fehltagen ausgedrückt wird das Bild noch klarer. Beschäftigte in der Kinderbetreuung fehlten rund 30 Tage im Jahr, während es über alle Berufsgruppen etwa 20 Tage waren. Zwischen 2021 und 2023 stieg die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage beim Kita-Personal um rund 26 Prozent, und mehr als 83 Prozent der Beschäftigten waren mindestens einmal krankgeschrieben. Am schwersten wiegt die Entwicklung bei der Psyche, denn psychische Erkrankungen haben sich im Zeitraum von 2009 bis 2023 nahezu verdoppelt (AOK, Bertelsmann Stiftung).

Jeder dieser Fehltage kostet dich doppelt. Die kranke Fachkraft fehlt, und die anwesenden Kolleginnen tragen die Lücke mit. Genau hier liegt der Hebel, denn Gesundheit ist keine Privatsache, sondern der stille Motor hinter Belastung, Ausfall und am Ende der Kündigung. Wer die Gesundheit im Blick behält, packt die Fluktuation an der Wurzel.

Mit welchen Maßnahmen lässt sich die Fluktuation in der Kita senken?

Gegen Fluktuation hilft kein Einzelinstrument, sondern ein Bündel, das an Belastung, Anerkennung und Gesundheit gleichzeitig ansetzt. In der frühkindlichen Bildung kostet vieles, was Fachkräfte hält, weniger als ein einziger Abgang, den du damit verhinderst.

Sechs Handlungsfelder haben sich in der Praxis bewährt, vom Führungsstil bis zum Gesundheitsbenefit. Entscheidend ist, dass du mehrere davon kombinierst, weil sie sich gegenseitig verstärken.

HandlungsfeldMaßnahmeWirkung
FührungRegelmäßige Gespräche, klare ZuständigkeitenFrust wird früh sichtbar, bevor er zur Kündigung wird
OnboardingFeste Ansprechperson in den ersten WochenWeniger Abbrüche in der Probezeit
PersonalschlüsselSpringerkräfte, verlässliche VertretungspläneWeniger Überlastung, weniger Fehltage
EntwicklungFortbildung, Spezialisierung, LeitungsperspektiveBleibegründe für ambitionierte Fachkräfte
Gesundheit und BGMPrävention, Ergonomie, psychische EntlastungKrankenstand sinkt, Team bleibt handlungsfähig
Benefits und bKVSichtbarer Gesundheitsbenefit als SachbezugWertschätzung, die monatlich spürbar ist

Manche Träger unterschätzen, wie stark ein spürbarer Gesundheitsbenefit auf die Bindung wirkt. Er kostet den Betrieb pro Fachkraft rund acht Euro im Monat und sendet ein Signal, das kein Sommerfest ersetzt. Der Arbeitgeber investiert in mich. Wie du solche Bausteine strukturiert einführst, beschreibt der Beitrag bKV einführen in 7 Schritten.

Wie wirken BGM und eine bKV gegen die Fluktuation in der frühkindlichen Bildung?

Betriebliches Gesundheitsmanagement, kurz BGM, bündelt alles, was die Gesundheit deiner Belegschaft schützt, von der Prävention über Bewegung und psychische Entlastung bis zur schnellen Versorgung im Krankheitsfall. In einem Feld mit 30 Fehltagen pro Kopf ist das keine Kür, sondern ein handfester Kostenhebel. Jeder Fehltag weniger entlastet das ganze Team.

Eine betriebliche Krankenversicherung ist der sichtbarste Baustein davon. Der Arbeitgeber stellt jeder Fachkraft ein jährliches Gesundheitsbudget zur Verfügung, das sie für Zahnersatz, Sehhilfen, Vorsorge oder schnelle Facharzttermine nutzt. Anders als eine Gehaltserhöhung, die nach wenigen Wochen im Alltag verschwindet, taucht dieser Nutzen bei jedem Arztbesuch wieder auf. Genau diese Sichtbarkeit macht ihn zu einem Bindungsinstrument.

Diese Tarife zeigen, wie günstig der Einstieg für einen Träger ausfällt:

TarifJahresbudgetBeitrag pro Monat
Württembergische StartBudget300 Euroab 7,96 Euro
HanseMerkur BKBT300 Euroab 9,90 Euro
Hallesche FEELfree300 Euroab 9,95 Euro
Gothaer MediGroupAG FlexSelect300 Euroab 9,90 Euro
HanseMerkur BKBT600 Euroab 19,90 Euro

Ein 300-Euro-Budget startet bei rund acht Euro im Monat, ein 600-Euro-Budget bei rund 20 Euro. Gemessen an einem Abgang, der schnell 43.000 Euro kostet, ist das eine kleine Position mit großer Wirkung. Details zur Preisgestaltung findest du unter Was kostet eine bKV pro Mitarbeiter und Monat?

Patrick Steeger

Gerade in sozialen Berufen zählt das Gefühl, gesehen zu werden. Eine bKV ist kein Wundermittel, aber sie zeigt jeden Monat, dass der Träger etwas zurückgibt. Bei angespannten Budgets ist das der Benefit mit dem besten Verhältnis aus Kosten und Wirkung.

Patrick Steeger, bKV-Experte

Wie führst du die Maßnahmen in deiner Einrichtung ein?

Der Weg von der Idee zum wirksamen Bindungspaket ist kürzer, als viele Träger annehmen. Wichtig ist, dass du strukturiert vorgehst und die Belegschaft früh einbindest, damit die Maßnahmen nicht als Anordnung von oben ankommen.

Diese Schritte haben sich bewährt, wenn du Gesundheit und Benefits in deiner Kita verankern willst:

  • Zuhören. Frag dein Team, wo der Schuh drückt, über eine kurze anonyme Befragung oder in Teamgesprächen. Belastung und Wechselgedanken werden so sichtbar, bevor die Kündigung auf dem Tisch liegt.
  • Zahlen prüfen. Schau dir Krankenstand und Abgänge der letzten Jahre an. Diese Werte zeigen dir, wie dringend die Lage ist und woran du den Erfolg später misst.
  • Paket schnüren. Kombiniere Maßnahmen aus mehreren Handlungsfeldern, etwa besseres Onboarding, verlässliche Vertretung und einen Gesundheitsbenefit.
  • Tarif wählen. Vergleiche die passenden bKV-Bausteine über einen kostenlosen bKV-Tarifcheck und richte das Budget am Bedarf deines Teams aus.
  • Kommunizieren. Erkläre den Wert des Benefits klar, sonst verpufft die Wirkung. Zeig genau, was eine Fachkraft mit dem Gesundheitsbudget anfangen kann.
  • Nachsteuern. Miss nach einem Jahr erneut Krankenstand und Fluktuation und passe an, was nicht greift.

Fluktuation in der frühkindlichen Bildung ist kein Naturgesetz, sondern eine Folge von Bedingungen, die du gestalten kannst. Wer die Gesundheit ernst nimmt, das Team einbindet und mit einem sichtbaren Benefit Wertschätzung zeigt, hält Fachkräfte, die anderswo längst gegangen wären. Verglichen mit anderen Bereichen steht die Kita unter besonderem Druck, ein Blick über den Tellerrand lohnt sich, etwa auf die Fluktuation im Gesundheitswesen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Fluktuation in der Kita im Vergleich zur Gesamtwirtschaft?
Die Gesamtwirtschaft in Deutschland liegt im Schnitt bei 31,4 Prozent Fluktuation pro Jahr. In der frühkindlichen Bildung fällt vor allem der frühe Ausstieg auf, denn fast ein Drittel der Fachkräfte wechselt in den ersten fünf Jahren die Stelle, und rund ein Viertel verlässt das Arbeitsfeld ganz (Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte). Bei Berufseinsteigern ist etwa ein Drittel nach dem ersten Jahr wieder weg.
Was kostet ein Mitarbeiterabgang in der frühkindlichen Bildung?
Die Ersatzkosten liegen bei 90 bis 200 Prozent eines Jahresgehalts. Eine Auswertung größerer Unternehmen kam auf durchschnittlich rund 43.000 Euro pro Fall (Kompetenz Center Mitarbeiterbefragung). In der Kita treibt vor allem die lange Vakanzzeit den Preis, weil Erzieherinnen und Erzieher stark gesucht sind und Stellen oft monatelang offen bleiben.
Warum ist der Krankenstand beim Kita-Personal so hoch?
Im Schnitt fallen täglich 8,6 von 100 Beschäftigten krankheitsbedingt aus, vor zehn Jahren waren es 5,8 Prozent (AOK). Kita-Beschäftigte fehlen rund 30 Tage im Jahr, gegenüber etwa 20 Tagen im Berufsdurchschnitt. Treiber sind Atemwegsinfekte sowie psychische Erkrankungen, die sich zwischen 2009 und 2023 nahezu verdoppelt haben.
Hilft eine betriebliche Krankenversicherung wirklich gegen Fluktuation?
Eine bKV allein löst keinen Personalmangel, aber sie ist ein sichtbarer Gesundheitsbenefit, der jeden Monat Wertschätzung zeigt. Der Arbeitgeber stellt ein jährliches Budget von meist 300 oder 600 Euro bereit, das für Vorsorge, Zahnersatz oder Sehhilfen genutzt wird. Ab rund acht Euro pro Fachkraft und Monat ist das eine kleine Position, gemessen an einem Abgang für rund 43.000 Euro.
Wie viele Fachkräfte fehlen in Kitas bundesweit?
Die Bundesagentur für Arbeit hatte 2025 rund 11.400 gemeldete offene Stellen im Bestand (Bundesagentur für Arbeit). Bis 2030 rechnen Berechnungen für die westdeutschen Länder mit einer Lücke von 50.000 bis 90.000 Fachkräften, während der Osten den Bedarf voraussichtlich decken kann. Die Bertelsmann Stiftung beziffert die kurzfristige Lücke auf rund 72.500 Fachkräfte.
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