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bKV für Arztpraxen: MFA halten, wenn das Gehalt an Grenzen stößt

28. Juli 2026·10 Min. Lesezeit·von Patrick Steeger
Patrick Steeger
Über den Autor
Patrick Steeger
Versicherungsmakler (IHK, § 34d GewO)

Patrick Steeger begleitet Arbeitgeber bei Auswahl, Vergleich und Einführung von bKV-Budgettarifen. Als unabhängiger Versicherungsmakler bewertet er Tarife neutral und praxisnah.

  • Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, erteilt durch die IHK Hamburg
  • Eingetragen im Versicherungsvermittlerregister, Registrierungsnummer D-UX9F-R9FOT-92
  • Über zehn Jahre auf die betriebliche Krankenversicherung spezialisiert

Drei von vier Arztpraxen haben Mühe, offene MFA-Stellen zu besetzen (Bundesagentur für Arbeit). Wer gute Fachangestellte im Team hat, steht damit vor einer klaren Aufgabe, diese Leute zu halten.

Über das Gehalt allein gelingt das selten, weil die Spielräume im GKV-finanzierten Praxisbetrieb eng sind. Eine betriebliche Krankenversicherung setzt an einer anderen Stelle an, bei der Gesundheit deiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und wird im medizinischen Umfeld besonders ernst genommen.

Warum lohnt sich eine bKV gerade für deine Arztpraxis?

In einer Praxis arbeiten meist kleine Teams auf engem Raum. Fällt eine erfahrene MFA weg, spürst du das sofort am Empfang, bei der Abrechnung und in der Sprechstunde. Ersatz zu finden dauert Monate, und jede Einarbeitung bindet Zeit, die im Alltag ohnehin knapp ist.

Genau deshalb wirkt ein Gesundheitsbenefit hier stärker als in vielen anderen Branchen. Deine Fachangestellten sehen jeden Tag, was gute Versorgung wert ist. Wenn du ihnen selbst einen privaten Zugang zu Zahnersatz, Sehhilfen oder schneller Diagnostik ermöglichst, kommt dieses Signal im medizinischen Umfeld glaubwürdig an. Wie eine betriebliche Krankenversicherung grundsätzlich funktioniert, liest du im Beitrag Was ist ein bKV-Budgettarif.

Die betriebliche Krankenversicherung ist arbeitgeberfinanziert, deine MFA zahlen also keinen Cent für den Schutz. Für dich als Inhaberin oder Inhaber bleibt der Aufwand überschaubar, während der Effekt auf die Mitarbeiterbindung deutlich über dem liegt, was eine kleine Gehaltserhöhung netto beim Team ankommen ließe.

Wie stark trifft der Personalmangel deine Praxis?

Medizinische Fachangestellte zählen offiziell zu den Engpassberufen (Bundesagentur für Arbeit). Auf freie Stellen kommen vielerorts kaum passende Bewerberinnen, in manchen Regionen übersteigt die Zahl der offenen Stellen die der arbeitslosen MFA deutlich. Rund drei von vier Praxen berichten von Schwierigkeiten bei der Besetzung.

Der Druck steigt zusätzlich von innen. Rund vier von zehn MFA denken mehrmals im Monat ernsthaft darüber nach, den Arbeitgeber zu wechseln oder den Beruf ganz zu verlassen (Verband medizinischer Fachberufe). Etwa 30 Prozent der Ausbildungen werden abgebrochen, sodass auch der Nachwuchs wegbricht.

Die Gründe liegen selten nur beim Geld. Eine Befragung von über 1.000 MFA zeigt, dass über 85 Prozent ihr Gehalt als schlecht bewerten und zugleich 70 Prozent sich nicht ausreichend wertgeschätzt fühlen (Felix Burda Stiftung). Drei von vier geben an, dass die Anstrengung im Job höher ist als die Anerkennung, die sie dafür bekommen.

Diese Punkte machen den Berufsalltag aus, und an mehreren davon kannst du als Praxisleitung ansetzen. Ein Teil davon ist Kultur im Team, ein anderer Teil sind spürbare Leistungen.

  • Hohe Arbeitsverdichtung durch volle Wartezimmer und wachsende Dokumentation
  • Vergütung, die im Vergleich zu Klinik oder Industrie zurückliegt
  • Kleine Teams, in denen jeder Ausfall sofort auf die anderen zurückfällt
  • Wunsch nach sichtbarer Wertschätzung über das reine Gehalt hinaus

Wie sich Personalwechsel im Gesundheitswesen entwickelt, ordnet der Beitrag Fluktuation im Gesundheitswesen ein.

Was verändert eine betriebliche Krankenversicherung im Team?

Eine bKV gibt jeder versicherten MFA ein jährliches Gesundheitsbudget, das sie frei für private Leistungen nutzen kann. So entsteht ein Vorteil, der über Jahre trägt und mit dem deine Fachangestellten planen können.

Für die Bindung ist das wichtig. Wer beim Wechsel in eine andere Praxis einen laufenden Gesundheitsschutz aufgeben müsste, überlegt zweimal. Bewerberinnen wiederum erkennen im Vorstellungsgespräch schnell, dass du in dein Team investierst, was dir gegenüber Praxen ohne Benefit einen Vorsprung verschafft.

Patrick Steeger

Gerade in Arztpraxen wirkt eine bKV besonders, weil die MFA jeden Tag sehen, was private Leistungen kosten. Wenn der eigene Arbeitgeber genau diesen Zugang schenkt, bleibt das im Kopf, wenn ein Wettbewerber anruft.

Patrick Steeger, bKV-Experte

Auch im betrieblichen Gesundheitsmanagement schließt eine bKV eine Lücke. Klassische BGM-Angebote setzen oft auf Kurse und Ergonomie, während die bKV Behandlungskosten übernimmt. Beides zusammen zeigt deinem Team, dass seine Gesundheit für dich ein Thema mit Substanz ist.

Welche Leistungen helfen deinen Fachangestellten am meisten?

Ein bKV-Budget lässt sich flexibel einsetzen, doch einige Bereiche sind für MFA erfahrungsgemäß besonders wichtig. Viele Fachangestellte sind gesetzlich versichert und tragen Zahnersatz, Brillen oder Zuzahlungen bislang aus eigener Tasche.

Bevor du dich für einen Tarif entscheidest, lohnt der Blick darauf, was dein Team wirklich nutzt. Ein Budget von 300 Euro deckt die üblichen jährlichen Ausgaben gut ab, ein 600-Euro-Budget schafft zusätzlich Spielraum für größere Posten wie Zahnersatz.

  • Zahnreinigung und Zuschüsse zum Zahnersatz
  • Sehhilfen wie Brille oder Kontaktlinsen
  • Vorsorgeuntersuchungen über den Kassenkatalog hinaus
  • Heilpraktiker und alternative Behandlungen
  • Zuzahlungen zu Medikamenten sowie Heil- und Hilfsmitteln

Welche Anbieter welche Leistungen bündeln, kannst du im bKV-Vergleich nachsehen. Eine erste Orientierung, worauf es bei der Auswahl ankommt, gibt der Beitrag Welche bKV ist die beste.

Was kostet eine bKV pro Kopf im Monat?

Die Beiträge sind niedriger, als viele Praxisinhaber erwarten. Ein Budgettarif mit 300 Euro Jahresbudget beginnt bei rund 8 Euro pro Kopf im Monat, ein 600-Euro-Budget bei etwa 20 Euro. Der Beitrag hängt vom Anbieter und vom gewählten Leistungsumfang ab.

Für eine kleine Praxis mit fünf Fachangestellten bewegst du dich damit im Bereich von rund 40 bis 100 Euro pro Monat für das gesamte Team. Zum Einstieg helfen Tarife mit ihren Startbeiträgen, die du unten vergleichen kannst.

TarifBudget pro JahrBeitrag pro Monat
Württembergische StartBudget300 Euroab 7,96 Euro
HanseMerkur BKBT300 Euroab 9,90 Euro
Hallesche FEELfree300 Euroab 9,95 Euro
Gothaer MediGroupAG FlexSelect300 Euroab 9,90 Euro
HanseMerkur BKBT600 Euroab 19,90 Euro

Steuerlich bleibt der Beitrag als Sachbezug bis 50 Euro im Monat frei von Steuer und Sozialabgaben, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Die Details erklärt der Beitrag bKV, Steuer und Sachbezug, eine Übersicht der laufenden Kosten findest du unter Was kostet eine bKV pro Monat.

Wie führst du die bKV in deiner Praxis ein?

Der Weg zur betrieblichen Krankenversicherung ist kürzer, als der Verwaltungsalltag vermuten lässt. In den meisten Fällen genügt ein Gruppenvertrag, der ohne Gesundheitsprüfung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gilt.

Bevor du startest, klärst du zwei Dinge, den gewünschten Budgetumfang und den Kreis der versicherten Personen. Danach läuft die Umsetzung in wenigen Schritten, die sich gut neben dem Praxisbetrieb erledigen lassen.

  • Budget festlegen, meist 300 oder 600 Euro pro Kopf und Jahr
  • Anbieter und Tarif über Vergleich oder Tarifcheck auswählen
  • Gruppenvertrag abschließen, in der Regel ohne einzelne Gesundheitsprüfung
  • Team informieren und die Anmeldung der MFA übernehmen
  • Beiträge als Sachbezug korrekt in der Lohnabrechnung führen

Ab welcher Teamgröße sich ein Gruppenvertrag rechnet, beantwortet der Beitrag Ab wie vielen Mitarbeitern lohnt sich eine bKV. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du unter bKV als Arbeitgeber einführen.

  • Muss jede MFA eine Gesundheitsprüfung machen?. Bei betrieblichen Gruppenverträgen verzichten die Anbieter in der Regel auf eine einzelne Gesundheitsprüfung, sofern eine Mindestzahl an Personen teilnimmt.
  • Was passiert, wenn eine MFA die Praxis verlässt?. Viele Tarife bieten die Möglichkeit, den Schutz privat weiterzuführen. Für dich als Arbeitgeber endet die Beitragspflicht mit dem Austritt.
  • Kann ich das Budget nach Position staffeln?. Du kannst Gruppen bilden, etwa nach Betriebszugehörigkeit. Wichtig ist eine sachliche Abgrenzung, damit der Sachbezug sauber bleibt.

Häufige Fragen

Ab wie vielen MFA lohnt sich eine bKV für meine Praxis?
Betriebliche Gruppentarife sind oft schon ab wenigen Personen möglich, teils ab drei bis fünf Mitarbeiterinnen. Bei kleinen Teams ohne Gesundheitsprüfung kann eine Mindestzahl gelten. Details klärst du im Tarifcheck oder direkt beim Anbieter.
Was kostet eine bKV pro MFA im Monat?
Ein 300-Euro-Budget beginnt bei rund 8 Euro pro Kopf im Monat, etwa mit der Württembergischen StartBudget ab 7,96 Euro. Ein 600-Euro-Budget startet bei etwa 20 Euro, zum Beispiel HanseMerkur BKBT ab 19,90 Euro.
Zahlt die MFA etwas dazu?
Nein. Die betriebliche Krankenversicherung ist arbeitgeberfinanziert, deine Fachangestellten zahlen keinen eigenen Beitrag und erhalten den vollen Leistungsumfang des gewählten Budgets.
Ist der Beitrag steuerfrei?
Als Sachbezug bleibt der Beitrag bis 50 Euro im Monat frei von Steuer und Sozialabgaben, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Die genaue Einordnung erklärt der Beitrag zu Steuer und Sachbezug.
Hilft eine bKV wirklich gegen den MFA-Mangel?
Ein faires Grundgehalt bleibt die Basis, doch die bKV wirkt als sichtbarer Gesundheitsvorteil, der beim Wechsel schwer aufzugeben ist. Zusammen mit Wertschätzung im Team senkt das die Fluktuation und macht Stellenanzeigen attraktiver.
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