Steuer & Recht

Nettolohnversteuerung der bKV: voll netto beim Team

26. Juli 2026·10 Min. Lesezeit·von Patrick Steeger
Patrick Steeger
Über den Autor
Patrick Steeger
Versicherungsmakler (IHK, § 34d GewO)

Patrick Steeger begleitet Arbeitgeber bei Auswahl, Vergleich und Einführung von bKV-Budgettarifen. Als unabhängiger Versicherungsmakler bewertet er Tarife neutral und praxisnah.

  • Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, erteilt durch die IHK Hamburg
  • Eingetragen im Versicherungsvermittlerregister, Registrierungsnummer D-UX9F-R9FOT-92
  • Über zehn Jahre auf die betriebliche Krankenversicherung spezialisiert

Bei der betrieblichen Krankenversicherung stellt sich schnell eine Geldfrage. Kommt dein Budget voll beim Team an oder schmälern Steuern und Beiträge den Vorteil?

Die Antwort hängt an der richtigen Versteuerung. Als Sachbezug bleibt der Beitrag bis 50 Euro im Monat abgabenfrei, darüber entscheiden drei Wege über das Netto.

Was steckt hinter der Nettolohnversteuerung bei der bKV?

Nettolohnversteuerung beschreibt, wie viel von einer Zuwendung nach Steuern und Sozialabgaben beim Mitarbeiter ankommt. Bei der betrieblichen Krankenversicherung entscheidet dieser Punkt darüber, ob dein Budget in Gesundheitsleistungen fließt oder zu großen Teilen an Finanzamt und Sozialkassen geht.

Der Gedanke hinter der Nettolohnoptimierung bleibt schlicht. Du gibst deinem Team einen Vorteil, der beim Empfänger abgabenfrei ankommt. Eine klassische Gehaltserhöhung wird dagegen beim Auszahlen spürbar gekürzt.

Als Sachbezug behandelt, bleibt der bKV-Beitrag bis zu einer festen Grenze steuer- und sozialabgabenfrei (§ 8 Abs. 2 EStG). Aus diesem Mechanismus entsteht der Netto-Vorteil, den viele Arbeitgeber bei der bKV als Budgettarif suchen.

Patrick Steeger

Wer die bKV als Sachbezug aufsetzt, verschenkt keinen Cent an Abgaben. Das gleiche Budget wirkt beim Team deutlich stärker als eine Erhöhung auf dem Gehaltszettel.

Patrick Steeger, bKV-Experte

Warum bleibt der Beitrag bis 50 Euro abgabenfrei?

Ein Sachbezug ist eine geldwerte Leistung, die du zusätzlich zum vereinbarten Arbeitslohn gewährst. Für die bKV heißt das, du zahlst den Beitrag an den Versicherer und der Mitarbeiter erhält den Versicherungsschutz als Sachleistung.

Bis zu 50 Euro im Monat je Person bleibt dieser Sachbezug steuer- und sozialabgabenfrei (§ 8 Abs. 2 EStG). Wichtig ist die Abgrenzung zum Barlohn. Zahlst du den Betrag aus, damit der Mitarbeiter selbst eine Police abschließt, greift die Freigrenze nicht.

Bei den 50 Euro gilt eine Freigrenze. Überschreitet die Summe aller Sachbezüge diese Grenze auch nur um einen Cent, wird der gesamte Betrag steuer- und beitragspflichtig. Andere Sachbezüge im selben Monat zählst du daher mit.

Wie viel Netto bleibt bei einer Gehaltserhöhung gegenüber der bKV?

Der Abstand zwischen Gehaltserhöhung und bKV zeigt sich erst nach Abzug von Steuern und Beiträgen. Auf dem Papier klingen 50 Euro mehr Gehalt attraktiv, auf dem Konto bleibt davon nur ein Teil.

Eine Gehaltserhöhung hebt das Bruttoeinkommen an. Darauf fallen Lohnsteuer und der Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung an, sodass je nach Steuerklasse grob die Hälfte übrig bleibt. Der bKV-Beitrag innerhalb der Freigrenze kommt dagegen ungekürzt als Leistung an.

Das folgende Beispiel rechnet mit 50 Euro monatlich und dient der Veranschaulichung, die tatsächlichen Werte hängen von Steuerklasse und Beitragssätzen ab.

ZuwendungWirkung fürs TeamWirkung fürs Unternehmen
Gehaltserhöhung 50 Euro bruttorund 25 bis 30 Euro netto50 Euro plus Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung
bKV als Sachbezug 50 Euro50 Euro Gesundheitsleistung ohne Abzug50 Euro ohne zusätzlichen Arbeitgeberanteil

Die Differenz erklärt den Reiz der Nettolohnoptimierung. Für den gleichen Aufwand landet beim Mitarbeiter ungefähr das Doppelte an Wert. Wie hoch der Beitrag je Tarif ausfällt, zeigt dir Was kostet die bKV pro Monat, einen direkten Leistungsüberblick bietet der Tarifvergleich.

Wann greift die Pauschalversteuerung nach Paragraf 40 EStG?

Manche Arbeitgeber möchten mehr als 50 Euro im Monat einsetzen oder gewähren zusätzliche Sachbezüge, die die Freigrenze sprengen. Dann wird der Beitrag steuerpflichtig, doch du kannst die Steuer selbst übernehmen.

Über die Pauschalversteuerung nach § 40 Abs. 1 EStG trägst du als Arbeitgeber die Lohnsteuer mit einem individuellen Pauschsteuersatz. Diesen Satz ermittelt das Finanzamt auf deinen Antrag hin, er richtet sich nach den Verhältnissen deiner Belegschaft.

Für das Team bleibt die Leistung damit ohne eigenen Lohnsteuerabzug. Die sozialversicherungsrechtliche Behandlung prüft deine Lohnbuchhaltung gesondert, weil Pauschalsteuer und Beitragspflicht getrennt zu betrachten sind.

Wie funktioniert die Pauschalierung mit 30 Prozent nach Paragraf 37b EStG?

Neben § 40 EStG steht ein weiterer Weg offen. Nach § 37b EStG kannst du Sachzuwendungen pauschal mit 30 Prozent versteuern und den Aufwand vollständig übernehmen.

Diese Pauschalierung gilt bis zu einem Höchstbetrag von 10.000 Euro je Empfänger im Jahr und setzt voraus, dass die Zuwendung zusätzlich zum Arbeitslohn erfolgt (§ 37b EStG). Beachte, dass die Beiträge hier sozialversicherungspflichtig bleiben, während sie innerhalb der 50-Euro-Freigrenze frei sind.

Damit du die Wege nebeneinander siehst, fasst die folgende Übersicht ihre Wirkung zusammen.

VersteuerungWirkung
Sachbezug bis 50 Euro (§ 8 Abs. 2 EStG)steuer- und sozialabgabenfrei, Freigrenze je Monat und Person
Pauschal nach § 40 Abs. 1 EStGArbeitgeber trägt die Lohnsteuer zum individuellen Pauschsteuersatz
Pauschal nach § 37b EStG30 Prozent Pauschalsteuer, Beiträge bleiben sozialversicherungspflichtig
IndividualversteuerungMitarbeiter trägt Lohnsteuer und Sozialabgaben selbst

Was bedeutet die Individualversteuerung für deine Mitarbeiter?

Manche Betriebe lassen den Vorteil lieber vom Mitarbeiter versteuern. In diesem Fall trägt der Empfänger den geldwerten Vorteil selbst.

Bei der Individualversteuerung läuft der Beitrag über den normalen Lohnsteuerabzug und erhöht die Bemessungsgrundlage für die Sozialabgaben (§ 8 Abs. 2 EStG). Für den Mitarbeiter sinkt dadurch das Netto, der Leistungsumfang der Versicherung bleibt voll erhalten.

Dieser Weg lohnt vor allem, wenn der Beitrag deutlich über der Freigrenze liegt und eine Pauschalierung im Einzelfall teurer ausfiele. Welcher Tarif zu deinem Budget passt, klärst du am schnellsten über den Tarifcheck.

Patrick Steeger

In der Praxis fahren die meisten Betriebe mit dem Sachbezug bis 50 Euro am besten. Erst bei höheren Budgets lohnt der Blick auf die Pauschalierung.

Patrick Steeger, bKV-Experte

Worauf sollte deine Lohnbuchhaltung bei der bKV achten?

Damit die Vorteile greifen, muss die Abrechnung sauber laufen. Die Einordnung als Sachbezug steht und fällt mit der richtigen Dokumentation in der Lohnabrechnung.

Behalte die Freigrenze über alle Sachbezüge hinweg im Blick und stimme die Versteuerung früh mit deinem Steuerberater ab. Die folgenden Punkte helfen deiner Lohnbuchhaltung beim Aufsetzen.

  • Beitrag als Sachlohn ausweisen und den Versicherer direkt bezahlen
  • Weitere Sachbezüge im selben Monat zur bKV hinzurechnen
  • Bei Beträgen über 50 Euro den passenden Pauschalweg mit dem Finanzamt klären
  • Vereinbarung schriftlich festhalten und zusätzlich zum Arbeitslohn gewähren

Steuerliche Fragen im Einzelfall gehören in die Hand deines Steuerberaters, weil die Wirkung von Steuerklasse und weiteren Zuwendungen abhängt. Wie du die Einführung Schritt für Schritt planst, zeigt dir bKV einführen als Arbeitgeber.

Häufige Fragen

Bleibt die bKV wirklich steuerfrei?
Als Sachbezug bleibt der Beitrag bis 50 Euro im Monat je Person steuer- und sozialabgabenfrei (§ 8 Abs. 2 EStG), solange du ihn zusätzlich zum Gehalt gewährst und andere Sachbezüge die Grenze nicht sprengen.
Warum bringt die bKV mehr Netto als eine Gehaltserhöhung?
Der Sachbezug innerhalb der Freigrenze kommt ohne Abzug beim Team an. Eine Gehaltserhöhung löst Lohnsteuer und Sozialabgaben aus, sodass je nach Steuerklasse nur rund die Hälfte übrig bleibt.
Was passiert, wenn der Beitrag über 50 Euro liegt?
Dann greift entweder die Pauschalversteuerung nach § 40 Abs. 1 EStG, die Pauschalierung mit 30 Prozent nach § 37b EStG oder die Individualversteuerung durch den Mitarbeiter. Welcher Weg günstiger ist, klärst du mit deiner Lohnbuchhaltung.
Bleiben bei der Pauschalversteuerung Sozialabgaben fällig?
Bei der Pauschalierung nach § 37b EStG bleiben die Beiträge sozialversicherungspflichtig. Die Behandlung nach § 40 EStG prüft deine Lohnbuchhaltung im Einzelfall gesondert.
Muss die bKV zusätzlich zum Gehalt laufen?
Ja. Alle abgabenbegünstigten Wege setzen voraus, dass der Beitrag oben auf den Arbeitslohn kommt. Eine Umwandlung von bestehendem Barlohn erfüllt diese Bedingung nicht.
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