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Betriebliche Krankenversicherung im öffentlichen Dienst: So funktioniert der Benefit

2. August 2026·10 Min. Lesezeit·von Patrick Steeger
Patrick Steeger
Über den Autor
Patrick Steeger
Versicherungsmakler (IHK, § 34d GewO)

Patrick Steeger begleitet Arbeitgeber bei Auswahl, Vergleich und Einführung von bKV-Budgettarifen. Als unabhängiger Versicherungsmakler bewertet er Tarife neutral und praxisnah.

  • Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, erteilt durch die IHK Hamburg
  • Eingetragen im Versicherungsvermittlerregister, Registrierungsnummer D-UX9F-R9FOT-92
  • Über zehn Jahre auf die betriebliche Krankenversicherung spezialisiert

Im öffentlichen Dienst konkurrieren Kommunen, Behörden und kommunale Betriebe um dieselben Fachkräfte wie die freie Wirtschaft, während die Gehälter über den Tarifvertrag weitgehend festgelegt sind. Ein steuerfreies Gesundheitsbudget verschafft dir Spielraum, den das Entgelt selbst kaum noch hergibt.

Seit der Tarifrunde im Jahr 2020 besteht mit § 18a TVöD-VKA eine ausdrückliche Grundlage, das Leistungsentgelt für eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Krankenversicherung einzusetzen. Damit rückt ein Instrument in Reichweite, das lange als Sache der Privatwirtschaft galt.

Dürfen Behörden und Kommunen ihren Beschäftigten eine bKV überhaupt anbieten?

Öffentliche Arbeitgeber stehen bei Zusatzleistungen unter engeren Regeln als private Firmen, weil Entgelt und Nebenleistungen tariflich gebunden sind. Eine betriebliche Krankenversicherung fällt trotzdem in den Gestaltungsspielraum, den Kommunen, Behörden und kommunale Eigenbetriebe für freiwillige Leistungen haben.

Die bKV läuft als Gruppenvertrag, bei dem der Arbeitgeber Versicherungsnehmer ist und die Beschäftigten die versicherten Personen sind. Mit § 18a TVöD-VKA, beschlossen in der Tarifrunde am 25. Oktober 2020, existiert für den kommunalen Bereich sogar eine ausdrückliche tarifliche Öffnung, das Leistungsentgelt für Gesundheitsleistungen zu verwenden (TVöD-VKA).

Was unterscheidet die bKV von der Beihilfe im öffentlichen Dienst?

Beihilfe ist eine Fürsorgeleistung des Dienstherrn und erstattet einen Teil der Krankheitskosten, klassisch für Beamtinnen und Beamte. Tarifbeschäftigte nach TVöD haben grundsätzlich keinen Beihilfeanspruch, eine Ausnahme gilt nur für Personen, die vor dem 31. Juli 1998 in den öffentlichen Dienst eingetreten sind.

Die meisten Angestellten im öffentlichen Dienst sind gesetzlich versichert und erhalten den üblichen Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung. Eine bKV setzt beim Beamten- wie beim Angestelltenstatus gleichermaßen an und schließt Lücken der gesetzlichen Kasse, etwa bei Zahnersatz, Sehhilfen oder stationärer Behandlung. Sie wirkt damit neben Beihilfe und gesetzlicher Kasse und ergänzt beide, ohne eine davon abzulösen.

Die drei Wege der Absicherung greifen an verschiedenen Stellen, was ein direkter Vergleich sichtbar macht.

AbsicherungswegFür wenWer zahlt
BeihilfeBeamte, Tarifbeschäftigte mit Eintritt vor dem 31.07.1998Dienstherr
Gesetzliche Kasse mit ZuschussTarifbeschäftigte in der GKVBeschäftigte und Arbeitgeber je zur Hälfte
Betriebliche KrankenversicherungBelegschaft im GruppenvertragArbeitgeber

Wie funktioniert § 18a TVöD-VKA als Finanzierungsweg für die bKV?

Das Leistungsentgelt nach TVöD speist sich aus einem Budget von 2 Prozent der Summe aller Monatsentgelte des Vorjahres (TVöD-VKA). Über § 18a darf dieses Volumen ganz oder teilweise in Maßnahmen zur Arbeitsplatzattraktivität fließen, wozu die betriebliche Krankenversicherung ausdrücklich zählt.

Pro Kopf entspricht das Budget im Durchschnitt rund 50 bis 60 Euro im Monat. Ob es als klassische Leistungsprämie ausgezahlt oder in ein Gesundheitsbudget umgelenkt wird, entscheidet die Personalvertretung gemeinsam mit dem Arbeitgeber über eine Dienst- oder Betriebsvereinbarung.

Ein paar Bausteine musst du beisammen haben, bevor die bKV über § 18a startet. Sie legen fest, wie das Budget verteilt wird und wer welche Leistung erhält.

  • Dienstvereinbarung schließen. Personal- oder Betriebsrat stimmt der Verwendung des Budgets zu und hält die Verteilung schriftlich fest.
  • Gruppenvertrag wählen. Der Arbeitgeber schließt als Versicherungsnehmer einen Rahmenvertrag mit einem Versicherer.
  • Leistungsniveau festlegen. Budgettarif oder feste Bausteine bestimmen, welche Rechnungen erstattet werden, siehe Budgettarif und Bausteintarif.
Patrick Steeger

Viele Kämmereien zahlen das Leistungsentgelt jedes Jahr nach Gießkanne aus. Umgelenkt in ein Gesundheitsbudget kommt beim einzelnen Beschäftigten spürbar mehr an, weil der Betrag steuerfrei bleibt.

Patrick Steeger, bKV-Experte

Warum wirkt ein Gesundheitsbudget im öffentlichen Dienst als Bindungsinstrument?

Dem öffentlichen Sektor fehlen bis 2030 nach Schätzungen mindestens eine Million Fachkräfte. Weil die Vergütung über den TVöD festgelegt ist, kann eine Kommune beim Gehalt kaum nachlegen, wenn die freie Wirtschaft mit höheren Löhnen wirbt.

Ein Gesundheitsbudget verschiebt den Wettbewerb auf ein Feld, das die Beschäftigten direkt im Alltag spüren. In Bereichen mit Präsenzpflicht wie Pflege, Rettungsdienst oder Kita zählt eine schnelle Facharzt- oder Zahnbehandlung doppelt, weil Ausfallzeiten schwer zu kompensieren sind. Eine bKV zahlt hier auf die Bindung ein, ohne die Entgelttabelle anzutasten.

Wie sich so ein Angebot auf Verbleib und Wechselbereitschaft auswirkt, ordnet der Beitrag zur Mitarbeiterbindung durch bKV. Parallelen zur angespannten Personalsituation im Handwerk zeigt die Analyse zur Fluktuation im SHK-Handwerk.

Welche Versicherer aus dem öffentlichen und regionalen Raum kommen infrage?

Bei der Wahl des Versicherers greifen kommunale Arbeitgeber gern zu Häusern mit Wurzeln im öffentlichen oder regionalen Raum, weil deren Beratung und Verwaltung auf den Sektor eingespielt ist. Der Markt bleibt offen, sodass auch überregionale Anbieter Gruppenverträge stellen.

Einige Namen tauchen im öffentlichen Umfeld besonders häufig auf. Sie bringen Erfahrung mit Belegschaften aus Verwaltung und Kliniken mit.

  • Debeka. Traditionell stark im Beamten- und Umfeld des öffentlichen Dienstes, mit breitem Krankenversicherungsgeschäft. Details unter Debeka.
  • Versicherungskammer Bayern und UKV. Öffentlich-rechtlicher Versicherer mit der Union Krankenversicherung als Krankensparte, Profil unter VKB Bayern.
  • VGH. Regionaler öffentlicher Versicherer für Niedersachsen mit angeschlossener Krankenversicherung.
  • VRK. Ausgerichtet auf Beschäftigte kirchlicher Träger wie Caritas und Diakonie, bekannt als Versicherer im Raum der Kirchen.

Welcher Tarif zur Belegschaft passt, hängt von Leistungswünschen und Budget ab. Einen neutralen Überblick liefert der bKV-Vergleich.

Was kostet eine bKV pro Kopf und wie bleibt der Beitrag steuerfrei?

Der Beitrag pro Kopf richtet sich nach dem gewählten Leistungsniveau und liegt bei vielen Gruppentarifen im zweistelligen Eurobereich pro Monat. Wie sich das zusammensetzt, zeigt der Beitrag zu den Kosten der bKV pro Monat.

Steuerlich zählt die arbeitgeberfinanzierte bKV als Sachbezug. Bis 50 Euro im Monat, also 600 Euro im Jahr, bleibt die Leistung frei von Steuer und Sozialabgaben, sofern der Arbeitgeber die Versicherung direkt abschließt und zahlt (§ 8 EStG). Über die Buchung informiert der Beitrag zur bKV in der Lohnbuchhaltung.

Wie stark eine bKV im Ernstfall entlastet, macht ein Rechenbeispiel deutlich. Bei zwei Implantaten mit Kronen von 4.080 Euro übernimmt die gesetzliche Kasse rund 564 Euro, mit einer passenden bKV kommen etwa 2.448 Euro hinzu, sodass der Eigenanteil von 3.516 auf 1.068 Euro sinkt.

Wie führst du die bKV im öffentlichen Dienst Schritt für Schritt ein?

Der Weg zur bKV verläuft im öffentlichen Dienst geordneter als in einem Betrieb ohne Tarifbindung, weil die Personalvertretung früh eingebunden wird. Sauber vorbereitet steht das Angebot oft innerhalb weniger Wochen.

Die folgenden Schritte bringen ein Vorhaben von der Idee bis zur Police in eine tragfähige Reihenfolge.

  • Bedarf klären. Prüfe, wie viele Beschäftigte teilnehmen und ob das Leistungsentgelt nach § 18a als Finanzierung dient.
  • Personalrat einbinden. Stimme Ziel und Budget früh mit der Personalvertretung ab und bereite die Dienstvereinbarung vor.
  • Tarif prüfen. Vergleiche Budget- und Bausteintarife und hole Angebote passender Versicherer ein, etwa über den Tarifcheck.
  • Vertrag schließen. Der Arbeitgeber zeichnet den Gruppenvertrag als Versicherungsnehmer und meldet die Belegschaft an.
  • Belegschaft informieren. Erkläre Leistungen und Nutzung, damit das Budget auch ankommt.
  • Ab wie vielen Beschäftigten lohnt sich ein Gruppenvertrag?. Viele Versicherer bieten Gruppentarife ohne Gesundheitsprüfung ab einer kleinen Mindestzahl an. Eine Orientierung gibt der Beitrag bKV ab wie vielen Mitarbeitern.
  • Braucht jede Kommune eine Dienstvereinbarung?. Sobald eine Personalvertretung besteht, führt an ihrer Zustimmung kein Weg vorbei. Ohne Personalrat entscheidet der Arbeitgeber, bleibt aber an den Zweck des Budgets gebunden.
  • Können Angehörige mitversichert werden?. Etliche Gruppentarife erlauben Familienangehörigen den Beitritt zu vergünstigten Konditionen, meist auf eigene Kosten der Beschäftigten.
Patrick Steeger

Bindet die Kämmerei den Personalrat vom ersten Gespräch an ein, steht die Dienstvereinbarung meist ohne Reibung. An dieser Stelle entscheidet sich, ob das Projekt zügig läuft.

Patrick Steeger, bKV-Experte

Einen roten Faden für die gesamte Umsetzung liefert der Leitfaden zur bKV-Einführung für Arbeitgeber, fertige Leistungspakete findest du unter bKV-Tarife.

Häufige Fragen

Dürfen auch Beamtinnen und Beamte über die bKV abgesichert werden?
Ja, die betriebliche Krankenversicherung setzt beim Beamten- wie beim Angestelltenstatus gleichermaßen an und knüpft allein an die Zugehörigkeit zur Belegschaft im Gruppenvertrag an. Beamte mit Beihilfeanspruch nutzen eine bKV, um Restkosten oder Wahlleistungen abzudecken, die Beihilfe und private Absicherung offenlassen. Die Leistung wirkt ergänzend zur bestehenden Versorgung.
Was passiert mit der bKV bei Renteneintritt oder Jobwechsel?
Viele Gruppentarife erlauben eine Fortführung als privater Einzelvertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung, wenn ein Beschäftigter ausscheidet. Der Beitrag wird dann selbst getragen und richtet sich nach dem Eintrittsalter im Gruppenvertrag. Details zum Ablauf findest du im Beitrag zum bKV-Wechsel unter /blog/bkv-wechseln.
Muss der Personalrat einer bKV zustimmen?
Sobald eine Personalvertretung besteht, ist ihre Zustimmung über eine Dienstvereinbarung erforderlich, gerade bei einer Finanzierung über das Leistungsentgelt nach § 18a. Ohne Personalrat entscheidet der Arbeitgeber allein, bleibt aber an den Zweck des Budgets gebunden. Eine frühe Einbindung beschleunigt die Einführung.
Ist die bKV für Beschäftigte wirklich steuerfrei?
Als Sachbezug bleibt die arbeitgeberfinanzierte bKV bis 50 Euro im Monat frei von Steuer und Sozialabgaben (§ 8 EStG). Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber die Versicherung als Versicherungsnehmer abschließt und zahlt. Wird die Grenze überschritten, unterliegt der übersteigende Teil der Lohnsteuer.
Bleibt der Beitrag über die Jahre stabil?
Beiträge in der Krankenversicherung können mit steigenden Gesundheitskosten angepasst werden, das gilt auch für Gruppentarife. Kollektive Verträge im öffentlichen Dienst zeigen sich dabei oft ruhiger als Einzeltarife, weil das Risiko über die Belegschaft verteilt wird. Wie Anbieter mit Erhöhungen umgehen, ordnet der Beitrag unter /blog/bkv-beitragserhoehung-anbieter.
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